Halb Marathon, Voll Malediven | Episode 12

Malediven

Unsere Zeit in den Malediven begann mit einer fetten Challenge: 21 Kilometer laufen. Bei über 30 Grad nicht unbedingt ein Selbstläufer. Die anschließende Erholungsphase auf der kleinen Insel Rasdhoo war dafür umso tropischer und absolut wunderschön! Besonders dankbar sind wir „3000tfg“ und den Organisatoren von diesem unglaublich coolen Lauf. Die freiwilligen Helfer haben einen großartigen Job gemacht und wir würden super gern irgendwann zurück kommen, um einen VOLLEN Marathon zu laufen!

Galerie – Malediven

Malediven

Das kleine Paradies Rasdhoo

Malediven

Nach den 3 Tagen in Hulhumalé, wo Reimar seinen Halbmarathon absolviert hat (siehe letzter Blogpost), haben wir uns eine kleine aber feine Insel gesucht, auf der wir sowohl eine bezahlbare Unterkunft alsauch eine Tauchbasis finden würden. Nach einiger Suche sind wir auf die winzig kleine Insel Rasdhoo gestoßen. Leider hatte sich der Fahrplan der öffentlichen Fähren geändert, sodass wir auf das viel schnellere aber auch viel teurere Speedboot ausweichen mussten.

Also machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg und nehmen den Bus zum Flughafen, um dort das Speedboot zu erwischen, was uns auf die kleine Insel Rasdhoo bringen soll. Und es klappt. Nach einer Weile der Unwissenheit und Orientierungslosigkeit finden wir das richtige Boot. Ein relativ kleines Motorboot mit viel zu vielen Fahrgästen und viel zu schweren Koffern düst in Richtung Insel. Nach etwa eineinhalb Stunden und mit einem eingequetschten Hintern kommen wir an dem kleinen „Hafen“ von Rasdhoo an. Nur wenige steigen aus, der Rest fährt zum gegenüber liegenden Luxus-Resort. Wir ziehen unsere Koffer über die sandigen Wege und kommen nach kurzem Fußweg in unserem Hotel „White Coral“ an. Ein kleines, schnuckliges Hotel mit super freundlichen Gastgebern. Der Manager hat einige der Holzarbeiten im Hotel selbst gemacht. Unser Raum ist geräumig mit schönem Bad. Das Beste aber ist das Frühstück. Wir können wählen zwischen kontinentalem (Toast, Wurst, Ei) und maledivischem Frühstück. Und das ist das Beste. Wir bekommen eine köstliche Pampe aus Thunfisch, Cocousnuss, Chilli und Ziebel. Dazu gibt es Spiegelei und vier Chapati. Die isst man offensichtlich nicht nur in Ostafrika. Super lecker und immer mit frischem Obst.

Angekommen auf der Insel und direkt mal auf Erkundungstour. Das ist eine Sache von etwa einer Stunde, denn die Insel ist so klein, dass man ziemlich schnell einmal drumherum laufen kann. Es gibt einige kleine „Supermärkte“, kleine Souvenir Shops und andere kleine Läden. Selbst auf dieser winzigen Insel gibt es mehr als drei Tauchbasen, die alle mega gut sind. Wir schnappen uns unser Schnorchel Zeugs und machen uns auf die Suche nach dem Bikini Beach. Die Malediven sind ein sehr muslimisches Land, welches viel Wert darauf legt, dass auch die Privatsphäre der Einheimischen gewahrt wird und deren Religion respektiert wird. So gibt es überall wo Touristen sind sogenannte Bikini Beaches, an denen man im Bikini liegen und schwimmen darf. Wenn man zu einem anderen Strand möchte, ist es gut, wenn man sich besonders als Frau bedeckt kleidet.

Dass die Malediven ein Tauch- und Schnorchelparadies sein sollen, haben wir auch schon gehört aber noch nie erlebt. Und es stimmt! Wir sind begeistert. Allein an dem Bikini Beach sehen wir beim Schnorcheln am Hausriff mehrere Riffhaie, eine Meeresschildkröte und einen Adlerrochen. Unzählige Fische, große, kleine, bunte, einfarbige und das alles mit einer genialen Sicht. Auf dem Rückweg von unserem Strandparadies halten wir bei der nahe liegensten Tauchbasis und melden uns an für den nächsten Tauchgang. Wir wollen diese Unterwasserschönheit natürlich auch aus der tiefen Perspektive betrachten. Morgens 8:15 geht es los. Die Jungs von der Basis bringen das ganze Equimpent zum Tauchboot, wir steigen ein und los geht’s zum Tauchspot. Auf dem Boot ziehen wir uns um und bauen unseren Presslufttank, das Jacket und die Atemregler zusammen. Angekommen am Tauchspot. Wir schnappen uns unsere Flossen, setzen die Tauchmaske auf, das Jacket mit Flasche auf dem Rücken und Zack, der Sprung ins Wasser. Ein Traum. Wir haben sehr klare Sicht und genießen die Unterwasserwelt mit Korallen und einer großen Fischvielfalt. Auch hier begrüßt uns ein Adlerrochen und ein Hai. Reimar ging es in den letzten Tagen eigentlich gut, die Erkältung nach dem Halbmarathon war abgeklungen aber anscheind noch nicht ganz. Die Stirnhöhlen waren wohl doch noch verstopft, sodass das Absteigen und Aufsteigen schmerzhaft ist. So konnte Reimar den Tauchgang nicht wirklich genießen. Sobald man beim Tauchen noch die kleinsten Anzeichen hat von Erkältung oder verstopften Nebenhöhlen, kann man direkt aufhören. Der Druckausgleich ist so nicht möglich und das ist echt schmerzhaft. Somit wäre es sehr dumm, weiter zu tauchen. Also sagen wir den eigentlich geplanten zweiten Tauchgang ab. Sehr schade, aber in dem Fall geht es nicht anders. Reimar muss erst wieder richtig gesund werden.

So verbringen wir viel Zeit an dem traumhaften Strand von Rasdhoo. Die bequemen Liegen sind umsonst und der Wind macht es leicht, die heiße Luft auszuhalten. Kleine Schaukeln und Hängematten hängen in den Bäumen und das türkisblaue Wasser mit dem weißen Strand bringt das perfekte maledivische Feeling auf. Wir schnorcheln sehr viel am Hausriff entlang und hören Hörbücher über unsere Handys. Abends gibt es entweder Instant-Nudeln oder wir gönnen uns eins von den drei Restaurants auf der Insel. Alle drei sind echt gut, bieten einheimisches Essen an und leckeren frischen Saft. Überall auf den Malediven gibt es kein Alkohol und kein Schweinefleisch aufgrund der Religion. Reimar vermisst tatsächlich ein kaltes Bier, aber wir glauben auch, dass genau dieser Verzicht auf Alkohol und auch strenge Drogengesetze Gründe sind für die so harmonische und starke Community. Alkohol ist so oft ein Grund für Streit, Gewalt und Unbeherrschtheit und dieser Grund fällt hier einfach weg. Die Malediver sind extrem freundlich, ein wenig schüchtern und sehr zuvorkommend. Sie machen ihr Ding, sind nicht aufdringlich gegenüber Touristen und sehr offen gegenüber Menschen jeder Farbe und Religion. Ihre Religion ist im öffentlichen Leben super wichtig und steht über allem anderen. Es gibt zum Beispiel feste Gebetszeiten, sodass von 12:00-14:00 Uhr alle Restaurants und Shops schließen für Gebet. Speziell hier auf der Insel spüren wir den Zusammenhalt der Menschen untereinander. Jeder kennt jeden, niemand würde irgendetwas stehlen, sodass wir unsere Sachen überall unbeaufsichtigt liegen lassen können. Die Leute arbeiten miteinander und jeder unterstützt jeden. Wir haben in der ganzen Zeit auf den Malediven keinen einzigen Obdachlosen gesehen oder irgendein Mensch, der aussieht, als ob er eher ausgeschlossen ist von der Gesellschaft. Die Menschen hier auf der Insel leben von dem Tourismus und geben dabei ihr Bestes. Alle Gästehäuser und Restaurants werden von Einheimischen geführt und sind miteinander vernetzt. Wir fühlen uns hier wirklich sehr wohl und willkommen geheißen. Nur das von A nach B kommen erweist sich als etwas komplizierter. Der teurere Weg ist das Speedboot (35$ p.P.), was jeden Tag zu 2 Uhrzeiten fährt. Der billigere Weg ist die öffentliche Fähre (4$ p.P.), die nur an 2 Tagen in der Woche fährt. Wenn man aber diese Zeiten vorher weiß, kann man sich gut darauf einstellen. Außer natürlich man bucht ein Resort, bei dem alles inklusive ist. Aber wir haben es erlebt. Die Malediven zu bereisen, ist nicht nur überteuert möglich. Es geht auch verhältnismäßig günstig.

Wir sagen Byebye zu dem kleinen Paradies und steigen wieder auf das Speedboot Richtung Flughafen, auf dem sich 2 Damen ihr Frühstück noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Wenn man schnell seekrank wird, ist man auf den Malediven definitiv falsch. Wir freuen uns auf zwei Monate in Indonesien.

Bis bald, eure Herr und Frau Weltenbummler 👋🏻

 

#RunInMaldives – Reimar’s erster Halbmarathon

Malediven

Am 11. Mai 2018 war Reimar zum ersten Mal in seinem Leben joggen. Zu der Zeit war er wirklich alles andere als fit und schaffte es mit Ach und Krach, vier Kilometer zu laufen. Nach ein paar Tagen fing das Laufen an, ein kleines bisschen Spaß zu machen, und Reimar entwickelte sogar ein wenig Ehrgeiz. Ein paar Wochen später kam Reimar von einem Lauf zurück nach Hause und beschloss, dass er ein Ziel brauchte, auf das er hin arbeiten kann. Zu der Zeit fingen die Pläne für unsere Weltreise gerade an, konkret zu werden, und Reimar suchte das komplette Internet nach Läufen ab, die in die grobe Reiseplanung reinpassen würden. Irgendwann blieb nur noch ein möglicher Marathon übrig: der Coca Cola Long Run in Hulhumalé, einer der Hauptinseln der Malediven. Sofort meldete Reimar sich für den Lauf am 19. April 2019 an. Er wollte einen Halbmarathon laufen. Es muss ja auch noch Luft nach oben bleiben…

Über die nächsten Monate trainierte sich Reimar erstmal an die 10 Kilometer heran. Bei seinem letzten Lauf in Deutschland lagen die Temperaturen knapp über null, sodass es in unserem ersten Land, Uganda, erstmal heftig war, sich an das viel heißere und feuchtere Klima zu gewöhnen. In Nairobi, Sansibar und Südafrika ging Reimar noch ein paar mal joggen, bis er einigermaßen damit klar kam.

Auf den Malediven angekommen, musste er aber feststellen, dass es hier noch heißer und noch feuchter ist als überall sonst. Beim Veranstalter des Rennens, das Fitnessstudio 3000tfg aus Malé, sollte Reimar sich noch seine Startnummer und ein paar andere Goodies abholen. Dabei lernten wir den Chef von 3000tfg und seine Kollegin, die den extrem coolen Instagram Account des Studios pflegt, kennen. Die beiden haben tatsächlich sogar auf uns gewartet und uns auf einen Saft und Kuchen eingeladen, weil sie sich so über den Besuch aus Deutschland gefreut haben. Mega coole Leute.

Zwei Tage nach unserer Ankunft ging es endlich los. Um 05:20 Uhr, also lange vor Sonnenaufgang, weil es sonst zum Laufen viel zu heiß wäre, fiel der Startschuss für alle Teilnehmer am Halbmarathon, zu diesem Zeitpunkt waren die Marathonläufer schon 2 Stunden unterwegs…

Die Strecke war 7 Kilometer lang und wurde also drei mal abgelaufen, um auf die volle Distanz von 21 Kilometern zu kommen.

Runde 1: Obwohl es schon ziemlich warm ist und Reimars Körper durch die letzte Zeitverschiebung eher schlafen gehen möchte, fühlt sich Reimar relativ frisch und startet mit gutem Tempo in den Lauf. Das Läuferfeld zieht sich langsam auseinander und er wundert sich sehr über einen älteren Herren, der mindestens 60 Jahre alt ist und einen Kopf kleiner als Reimar und ihn trotzdem überholt. Außerdem zieht langsam ein anderer Malediver an ihm vorbei. Er hat einen grauen Pferdeschwanz und hinkt auf seinem linken Bein. Irre. Die ersten 7 Kilometer vergehen schnell und beim ersten Zieldurchlauf nach der ersten Runde sind schon ein paar Leute zum Anfeuern gekommen.

Runde 2: Langsam wird es immer heißer und der Sonnenaufgang kündigt sich an. Die Beine werden schon schwerer und nach dem zehnten Kilometer weiß Reimar: Er hat das hier völlig unterschätzt. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die Temperatur von 30 Grad Celsius kosten mehr Kraft, als er dachte. Bis zum Kilometer 14 denkt er nur noch: „Durchhalten, nicht stehen bleiben, nicht gehen.“

Runde 3: Pünktlich mit dem Start in die dritte Runde geht die Sonne auf. Die direkte Wärme macht die Bewegung noch einmal deutlich schwerer und Reimars Rücken fängt an zu schmerzen. „Durchhalten, nicht stehen bleiben, nicht gehen…“. An einem der Getränkestände, die an der Strecke liegen, überholt Reimar den älteren Läufer mit dem Pferdeschwanz, der die ganze Zeit sein linkes Bein hinter sich her zieht. Er scheint ziemlich fertig zu sein und schafft es nicht mehr, sein Lauftempo zu halten. Reimar feuert ihn an und die beiden beschließen, die Ziellinie gemeinsam zu überqueren. Die letzten 3 Kilometer fühlen sich so lang und anstrengend an, wie die ersten 18. Reimar ist völlig fertig, als er zusammen mit dem hinkenden Malediver auf die Zielgerade einbiegt. Die beiden ringen sich zu einem kleinen Endspurt durch und haben es nach 2 Stunden und 28 Minuten endlich geschafft.

Reimar ist sauglücklich mit seinem Erfolg und hat alles erreicht, was er sich gewünscht hat: er hat durchgehalten, er ist nicht stehen geblieben, keinen Meter gegangen und hat seinen ersten Halbmarathon in unter zweieinhalb Stunden absolviert. Völlig kaputt aber happy machen wir Selfies mit dem Präsidenten der Malediven, mit der First Lady, die auch einen Halbmarathon gelaufen ist, und mit einem verrückten Niederländer namens Mister Marathon. Der ist heute seinen 67. Marathon gelaufen… Irrer Typ.

Reimar hat etwas geschafft, von dem er noch ein knappes Jahr vorher gedacht hätte, dass es ihm völlig unmöglich wäre. Vielleicht findet sich ja noch ein weiterer (Halb-)marathon, der sich mit unseren Reiseplänen verbinden lässt…

Bis bald, eure Herr & Frau Weltenbummler 👋🏻