Wir sitzen fest in Bolivien!

Bolivien

Nach einem Tag in Copacabana am Titicaca See kommen wir in La Paz, der Hauptstadt von Bolivien, an. Wir haben geplant, hier 3 Tage zu verbringen, um dann nach Uyuni in die Salzwüste zu fahren und über die Atacama Wüste nach Argentinien zu kommen. Leider änderten sich unsere Pläne zwangsläufig.

In Bolivien gibt es derzeit starke Demonstrationen gegen den (Ex-)Präsidenten Evo Morales. Er war ein sehr korrupter Präsident, der illigalerweise seine vierte Amtszeit antreten wollte, obwohl in Bolivien nur zwei Amtszeiten legal sind. Zusätzlich macht er große Geschäfte mit dem Kokainanbau und ist kein ehrlicher Mensch. Viele Menschen demonstrieren seit Wochen. In unseren 3 Tagen hier werden die Demonstrationen immer stärker bis dahin, dass das Militär und die Polizei sich den Demonstrationen anschließen. Es geht soweit, dass Evo Morales tatsächlich abdankt und nach Mexiko flieht. In der Zwischenzeit gibt es viele Straßenblockaden und die Grenzen in alle Nachbarländer werden zeitweise geschlossen. Auch nach Argentinien, Chile… Weder Taxis noch Busse fahren in irgendeine Richtung. Unsere Pläne für Uyuni zerschlagen sich und wir müssen warten, bis sich die Lage beruhigt. Für den Regierungsübergang wird nun eine Präsidentin eingesetzt, was erstmal eine gute Nachricht ist. Doch es bleibt nicht ruhig. Viele Demonstranten, die Evo Morales zurück wollen, treten nun auf die Bildfläche und machen mehr Chaos als die ersten Demonstranten. Viele Kokabauern kommen in die Stadt und blockieren die Wege aus der Stadt. Die meisten Präsidenten-Supporter kommen aus dem Viertel, in dem der Flughafen liegt, und durch das die einzige Straße nach Peru verläuft. Es ist also auch keine Option, in ein anderes Land zu fliegen, denn die Straße zum Flughafen ist voll mit Demonstranten und Blockaden. Die Demonstrationen von den Präsidenten-Supportern sind noch viel aggressiver und wir bekommen immer mal Tränengas zu spüren.

Direkt bei unserem Hostel um die Ecke ist der berüchtigte Hexenmarkt von La Paz. Wir haben uns das ein bisschen spektakulärer vorgestellt. Im Prinzip kann man hier ein paar Glücksbringer und Souviniers kaufen. Es gibt unter Anderem mumifizierte Alpaka Föten, die vor allem bei einem neuen Heim oder Hausbau besonders Glück bringen sollen. Kleine Zuckertafeln und verschiedene Puder bringen Glück für das Geschäft, die Liebe oder das Zu Hause. Eine andere Besonderheit in La Paz ist das Seilbahnnetz, was alle Teile dieser riesigen Stadt miteinander verbindet und den Verkehr stark entlastet. Bei den steilen Bergen hier geht das auch gar nicht anders. Wir fahren bis ans südliche Ende der Stadt und finden dort Hot Dogs und Donuts. Typisch bolivianisch. Nicht. Aber geil!

Eine gute Sache hat das Ganze aber. In dem Hostelzimmer gegenüber von unserem wohnt ein Pärchen aus Südafrika. Wir lernen sie kennen und verbringen die meiste Zeit mit ihnen. Sie sind super freundlich und haben eine ganz ähnliche Geschichte. Sie reisen ebenfalls einmal um die Welt, nutzen das Jahr auch um herauszufinden, wo Gott sie haben will, sie lieben Jesus und wollen nach dem Jahr auch mit der Familienplanung beginnen. Ziemlich cool. Wir sind direkt auf einer Wellenlänge und haben viele Gesprächsthemen. Annette und Jacques sind wirklich ein Geschenk des Himmels und erleichtern uns die Wartezeit sehr. An sich geht es uns gut. Wir haben weder Angst, noch fühlen wir uns unwohl in unserem Hostel. Die Möglichkeiten sind eingeschränkt, wir können nichts unternehmen, außerdem ist es kalt und nass und das einzige, was wir tun, ist essen und warten. Das mit anderen teilen zu können erleichtert es sehr.

Am Ende sind wir in La Paz 13 statt 3 Tagen. Letztenendes, als die Lage sich ein wenig gelegt hat, nehmen wir morgens 4:00 Uhr ein Taxi zum Flughafen. Der Taxifahrer gibt alles. Er rast wie Sau, fährt über jede rote Ampel und kurz vor dem Flughafen sind riesige Straßenblockaden aus Beton. In Schlängellinie umfährt der Taxifahrer die Blockaden und bringt uns endlich zum Flughafen. Wir sind so glücklich. Nachdem wir unser Gepäck aufgegeben haben und durch den Sicherheits-checkin sind wissen wir – okay, jetzt wird uns nichts mehr aufhalten. Bis zum Schluss haben wir Angst, dass nicht doch noch etwas schief geht und der Flug gestrichen wird. Aber nein! Wir gehen in Richtung Flugzeug, erreichen unsere Sitzplätze und das Flugzeug fliegt los. Bye, bye Bolivien. Zurück nach Peru.

Wieso wieder Peru? Peru ist im Moment das einzig sichere Land um Bolivien herum und der billigste Flug von La Paz aus ging nach Cusco in Peru. Also haben wir uns dafür entschieden. Unser Budget lässt es leider nicht zu, weiter weg zu fliegen, und unser Heimflug nach Deutschland geht von Santiago de Chile aus. Dieser Flug steht fest und geht nicht umzubuchen. Wir müssen also in der Nähe von Chile bleiben, um den Flug nach Deutschland nehmen zu können. Mal schauen was der letzte Monat unserer Weltreise bringen mag, aber es sind gemischte Gefühle für uns. Unsere Pläne sind zerschlagen und wir haben uns das Ende unserer Reise anders vorgestellt. Es fühlt sich nach einem großen Kompromiss an. Aber dennoch vertrauen wir Gott, dass seine Pläne uns zum Besten dienen werden und wir sind gespannt, was er für uns bereit hält. Manchmal sind unsere Pläne nicht seine. Wir vertrauen und sind dankbar, dass wir sicher aus Bolivien entkommen konnten.

Bis bald, eure Herr & Frau Weltenbummler 👋🏻

Ein Gedanke zu “Wir sitzen fest in Bolivien!

  1. Hallo ihr beiden Weltenbummler, ganz großartig eure Berichte,die tollen Bilder!!! Und die vielen Erfahren, die ihr machen
    durftet. Schön, das ihr uns daran teilhaben lasst. Bleibt behütet bis zum Ende eurer Reise!
    Bis bald!
    Claudia u.Christian Wergin

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