Insel Gam

Raja Ampat

Raja Ampat liegt in West-Papua, dem indonesischen Teil von Papua. Schon seit Jahren haben wir immer wieder von diesem Ort gelesen und gehört, weil die Unterwasserwelt absolut einmalig sein soll. Als wir uns dann informiert haben, wie man nach Raja Ampat kommt, welche Unterkünfte es dort gibt und was der ganze Spaß kostet, waren wir erstmal ziemlich ernüchtert. Scheinbar gab es keine Alternative zu einem sauteuren Luxus-Resort oder einem Tauchboot, auf dem man dann pro Nacht 500€ und mehr zahlt.

Dieser Teil Indonesiens ist bisher definitiv der teuerste Ort auf unserer Weltreise, aber trotzdem haben wir einen Weg gefunden, dieses Paradies Low-Budget zu entdecken! Es gibt ein gut ausgebautes Netzwerk aus Homestays, also privat geführten Mini-Gästehäusern, die alle etwa gleich viel kosten. Die Lage, der Komfort, das Essen und die möglichen Aktivitäten unterscheiden sich aber sehr wohl und im Voraus haben wir auch viel Schlechtes über die Homestays gelesen.

Eines der Homestays kam uns aber sehr schick vor und wir buchten 7 Nächte in „Methos Homestay“. Jetzt mussten wir ja „nur noch“ da hin kommen… Von Makassar in Südsulawesi fliegen wir also nach Sorong, der Hauptstadt von West-Papua. Wir haben eine Stunde Zeit, um die erste von den täglich zwei Fähren nach Waisai zu erwischen. Also für 100.000 Rupien (knapp 7€) mit dem Taxi an den Hafen. Nach fast 4 Monaten auf Reisen ist Reimar der absolute Meister im Vordrängeln und wir sind die Allerersten am Ticketschalter des winzig kleinen Fährhafens. Für 100.000 Rupien pro Person kommen wir mit unseren zwei riesigen Koffern an Bord und pennen direkt ein. Knapp zwei Stunden später landet die Fähre in Waisai, dem Zentrum von Raja Ampat. Hier hält sich aber eigentlich niemand groß auf, zumindest keine Touristen, vielmehr springen jetzt alle auf kleinere Boote, um auf die unzähligen Inseln zu kommen. Bevor wir das auch tun können, bezahlen wir im Tourismusbüro von Waisai eine Million Rupien pro Person (knapp 70€) „Marine Park Fee“. Diese Gebühr soll den Naturschutz und Umweltprojekte finanzieren. Auch erledigt. Endlich können wir am hintersten Steg des Hafens auf das schmale Boot von Methos steigen. Unser Gastgeber holt uns mit seiner Frau persönlich ab.

Jetzt düsen wir noch eine Stunde auf die Insel Gam. Weil das Benzin in Raja Ampat sehr teuer ist, kostet eine solche Überfahrt 700.000 Rupien (knapp 45€) pro Boot. Totmüde und ohne große Erwartungen legen wir schließlich direkt an einem ziemlich großen, direkt über dem Wasser gebauten Bungalow an. Wir sind geschockt. Es ist so wunderschön und wir haben viel mehr Luxus, als wir gedacht hätten! Das Bungalow hat ein großes Doppelbett, einen großen Trinkwasser-Kanister, Schnorchelzeug, Hängematte, Sonnenliege, sogar deutschsprachige Bücher liegen im Regal. Es ist irre und wir brauchen ein bisschen Zeit, um auf diesen Ort klar zu kommen. Jeden Abend ab Sonnenuntergang läuft der Generator und wir haben sogar direkt im Bungalow Strom! Wir wissen, dass das in diesen Homestays nicht oft der Fall ist.

Eine Woche haben wir jetzt Zeit, Methos und seine Familie kennen zu lernen, das leckere Essen zu genießen, das Dorf in der Nähe zu erkunden und natürlich tauchen zu gehen! Methos lebt hier sehr zurückgezogen und naturverbunden, ein Stück vom Dorf entfernt. Er ärgert sich über den Müll, der öfter mal im Meer schwimmt, und über extra für Touristen aus Beton gebaute Häuser. Auf genau dieser Insel ist er geboren und er freut sich auch, dass so viele Touristen nach Raja Ampat kommen. Aber er ist, genau wie wir, kein Fan von übergroßen Luxus-Resorts, die für die lokale Community keine wirkliche Bereicherung sind.

Weil wir im Voraus so viel Negatives über das Essen in Raja Ampat gelesen haben, sind wir umso überraschter, wie unfassbar gut das Essen ist, das uns Methos Frau drei mal täglich kocht. Es gibt immer frischen Fisch, Hühnchen, Gemüse, eine Art Kartoffeleintopf, Reis, Mais… Dabei muss man bedenken, dass der nächste Markt in Waisai ist und man dort nur mit dem Boot hinkommt!

Zu Fuß kommen wir durch den Dschungel, der direkt am Strand anfängt, zum kleinen Dorf Sawinggrai. Eine Grundschule, eine Kirche, ein paar Wohnhäuser und ein paar kleine Homestays. Mehr gibt es hier nicht und es ist wunderschön so wie es ist. Abends spielen die Kinder vor der Schule Volleyball und am Morgen krähen die Hähne. Nach ein paar Tagen wird es Zeit, unsere Tauchtrips mit Methos zu planen. Für 100.000 Rupien (knapp 7€) pro Tank besorgt er von einem Freund Pressluftflaschen und Bleigewichte. Nicht weit von der Insel Gam entfernt liegt ein Tauchplatz namens „Manta Sandy“, früh morgens gibt es dort noch keine starke Strömung und Methos will mit uns dorthin und noch zu 3 wunderschönen Riffs in der Umgebung fahren.

Um 8 geht’s los und wir laden unser Equipment auf’s Boot. Mitten auf dem offenen Meer springt Methos ins Wasser und findet auf Anhieb „Manta Sandy“. Wir ziehen unser Geraffel an, machen eine Rolle rückwärts vom Boot und steigen ab. Auf knapp 20 Metern gibt es hier eine große Sandfläche und sofort beginnt ein riesiger Manta-Rochen, uns zu umkreisen. Ein paar Minuten später kommen noch 3 andere, zwei davon sind komplett schwarz! So etwas haben wir noch nie gesehen und diese riesigen Tiere, die an uns vorbei „fliegen“, lassen unseren Puls vor Aufregung hochgehen. Es ist irre! Nach einer Stunde zwischen den Mantas steigen wir an dem flachen Riff neben uns wieder auf. Geschafft, der erste Tauchgang war schon mal mega! Jetzt fahren wir zur kleinen Insel Arborek, wo wir auf dem Steg erstmal Donuts und Tee genießen. Hier auf Arborek sehen wir, was Methos so traurig macht. Das Dorf ist klar auf westliche Touristen ausgelegt und hat nicht mehr viel mit dem Leben in Papua zu tun.

Das Riff, was unter dem Steg steil abfällt, ist so bunt und lebendig, wie wir es noch nie gesehen haben. Unfassbar viele Rifffische, Doktorfische, Clownfische und zum Schluss ein Schwarm fetter Bumpheads machen auch den zweiten Tauchgang unvergesslich. Wir tuckern zurück nach Hause und beschließen, am nächsten Tag noch einmal das Gleiche zu tun, nur an 2 anderen Tauchplätzen. Methos hat noch seine persönlichen Geheimtipps und so geht’s am nächsten Morgen um 8 zu einem Riff mit vielen Terrassen aus Fächerkorallen und großen, bewachsenen Felsen, die wie Säulen auf dem Riff stehen. Die Sicht ist nicht ganz so gut und wir haben auch ein bisschen Strömung, aber es ist trotzdem super schön. Unser letzter Tauchgang ist vom Einstieg her eine kleine Herausforderung: Methos navigiert das Boot gekonnt direkt über das Ende eines spitz zulaufenden Riffs. Von der Oberfläche aus ist der Grund auf ca. 23 Meter kaum zu erkennen. Um den Punkt nicht zu verpassen und an der völlig falschen Stelle abzutauchen, muss es jetzt schnell gehen: Flossen ran, Rückwärtsrolle und Abstieg, fast senkrecht bis auf 23 Meter. Das haben wir so noch nie gemacht, aber klappt perfekt. Wir haben das Ende des Riffs gefunden und über uns schwimmen tausende von Fischen. Hier tauchen wir ein bisschen im Kreis und treffen immer mal einen Riffhai und am Schluss eine Schildkröte. Reimar hat sich nicht richtig rasiert und die Suppe läuft ihm ständig in die Maske, sodass ihm die Luft schon nach 45 Minuten knapp wird. Bevor es brenzlig werden kann machen wir also unseren Sicherheitsstopp und steigen glücklich auf. Methos ist auch ganz happy, dass wir 4 so coole Tauchgänge hatten. Am Steg von Sawinggrai schnorcheln wir noch eine Runde und machen uns hungrig auf den Heimweg.

Wir lieben die Zeit hier. Zwischendurch haben wir für 2 Tage einen Hund, Shakira. Sonntags besuchen wir die kleine Kirche und erkennen sogar ein paar Lieder wieder. Wir haben auch gute Gespräche mit Methos, der am Anfang sehr verschlossen wirkte. Das sehr ursprüngliche Leben hier, die krass schöne Natur und der viele Müll, der mit der Flut angespült wird, machen uns echt nachdenklich. Wir reflektieren unser eigenes Konsumverhalten und setzen Prioritäten, worauf wir in Zukunft achten möchten, zum Beispiel unnötige Plastikverpackungen. Uns beschäftigt sehr, dass wir sehen, wie groß der schützenswerte Teil der Welt eigentlich ist, der unter dem deutlich kleineren, westlichen Teil sehr leidet. An Orten wie Raja Ampat wird sehr gut sichtbar, wie westlicher Konsum und „Fortschritt“, für andere Teile der Welt zu einer echten Bedrohung werden kann. Immer mehr verstehen wir, dass wir selbst Verantwortung tragen, die Menschen und die Natur um uns herum zu schützen. Und das eben nicht durch eine grüne Plakette auf dem Auto oder sorgfältig getrennten Müll.

Nach 7 Tagen bei Methos heißt es mal wieder Abschied nehmen. Mit dem Boot fahren wir nach Waisai, die ganze Zeit über mit dunklen Regenwolken im Nacken. Schließlich ist das Boot schneller als der Regen und wir kommen trocken an. Wir bedanken uns bei Methos und seiner Familie und machen uns auf die Suche nach unserem Taxifahrer. Dieser bringt uns in die 10 Minuten entfernte City, wo wir das günstigste Airbnb überhaupt gebucht haben.

Die zweite Woche in Raja Ampat ist deutlich unspektakulärer als die erste. Um uns das Homestay leisten zu können, machen wir eine „Geldsparwoche“. Das heißt: selbst kochen, kaum Unternehmungen und viiiieeel rumgammeln. Ist aber auch ganz schön. Die Unterkunft ist sehr schön und die Küche sehr gut ausgestattet, deshalb verbringen wir viel Zeit „zu Hause“ und machen Sport oder schauen Serien. Für einen Tag leihen wir uns schließlich doch nochmal einen Roller aus und düsen über die komplette Hauptinsel. Besonders viel zu sehen gibt es zwar nicht, aber es macht trotzdem Spaß.

Nach einer Woche intensiven Geldsparens sind wir bereit. Bereit für Bali und Lombok und wir haben Bock! Raja Ampat war wirklich crazy. Wir hatten wunderschöne Tauchgänge, ein Bungalow über dem Wasser, beste Gesellschaft und einmalige Erlebnisse. Wir haben Wale gehört und sogar aus der Entfernung gesehen. Wir haben Raja Ampat bereist, ohne danach pleite zu sein. Wir haben viel über uns und unseren Lebensstil nachgedacht und lieben es, dass diese Reise uns persönlich immer kleiner werden lässt.

Bis bald, eure Herr & Frau Weltenbummler

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